Reicht das Futter allein? Was „Alleinfuttermittel“ bedeutet
Stand: Dezember 20255 Min. Lesezeit

„Auf der Packung steht so wenig drauf – muss ich da noch etwas dazugeben?"
Diese Frage bekommen wir regelmäßig, und sie ist berechtigt. Wer gewohnt ist, auf Hundefutter eine halbe Seite mit Vitaminen und Spurenelementen zu lesen, wird stutzig, wenn die Liste plötzlich kurz ausfällt. Die Antwort lautet in aller Regel: Nein, du musst nichts dazugeben. Warum das so ist, steht hier.
„Alleinfuttermittel" ist keine Werbeaussage
Der Begriff ist rechtlich festgelegt. Die EU-Futtermittelverordnung definiert ein Alleinfuttermittel als ein Mischfuttermittel, „das wegen seiner Zusammensetzung für eine tägliche Ration ausreicht". ¹
Im Klartext: Ein Hersteller darf das nur draufschreiben, wenn das Futter allein gefüttert werden kann – dauerhaft, ohne dass etwas fehlt. Das ist keine Selbsteinschätzung, sondern eine Zusage mit rechtlichem Gewicht.
Davon zu unterscheiden ist das Ergänzungsfuttermittel. Es enthält einzelne Nährstoffe in höherer Konzentration und ist als Zugabe gedacht, nicht als Mahlzeit. Allein gefüttert wäre es unausgewogen. Beide Begriffe stehen auf der Packung, und sie bedeuten wirklich Unterschiedliches.
Warum die Liste auf dem Etikett so unterschiedlich lang ist
Hier kommen zwei Regeln ins Spiel, die kaum jemand kennt – und die erklären, warum kurze Listen nichts über die Qualität sagen.
Erstens: Zutaten dürfen zu Gruppen zusammengefasst werden. „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse", „Getreide", „Mineralstoffe" – diese sogenannte geschlossene Deklaration ist erlaubt und üblich. Welche Bestandteile dahinterstecken, erfährst du auf Nachfrage.
Zweitens, und das ist der entscheidende Punkt: Auf dem Etikett stehen nur die Nährstoffe, die zugesetzt wurden. Was ohnehin in den Zutaten steckt, taucht dort nicht auf. Eine kurze Liste bedeutet also nicht „wenig Nährstoffe", sondern „wenig zugesetzt".
Das lässt sich an zwei Produkten desselben Herstellers zeigen. MAXiDOG Pura Krokett führt keine einzigen zugesetzten Vitamine auf. MAXiDOG Allround Junior dagegen listet eine ganze Reihe davon, von Vitamin A über die B-Gruppe bis zu Eisen, Zink und Selen. Beide sind Alleinfuttermittel, beide decken den Bedarf.
Der Unterschied liegt in der Herstellung
Warum also der eine Weg und nicht der andere?
Nährstoffe sind unterschiedlich hitzeempfindlich. Wird Futter stark erhitzt und geformt, geht ein Teil der Vitamine verloren – und muss ersetzt werden. Diese Zugabe ist deklarationspflichtig, deshalb die lange Liste.
Wird dagegen kalt gepresst, bleibt mehr in der Zutat erhalten, und es muss weniger ergänzt werden. Genau das macht REiCO bei einem Großteil des Trockenfutters: Pura Krokett, Pura Lamm, Cura Sensiv und andere sind kaltgepresst.
Dazu kommen Zutaten, die von Natur aus liefern, was sonst aus der Dose käme:
- Blasentang und Algenkalk bringen Jod, Calcium, Magnesium und Spurenelemente mit
- Fisch und Fischhydrolysat liefern Omega-3-Fettsäuren sowie Vitamin D und E
- Bierhefe steuert B-Vitamine bei
Solche Zutaten zählen rechtlich nicht als Zusatzstoffe. Sie stehen deshalb in der Zutatenliste, nicht in der Zusatzstoffliste – und tragen trotzdem zur Versorgung bei.
Was FEDIAF damit zu tun hat
FEDIAF ist der europäische Branchenverband für Heimtiernahrung. Er veröffentlicht die Richtwerte, an denen sich Hersteller bei der Rezeptur orientieren: wie viel Eiweiß, Calcium, Zink oder Vitamin E ein Hund oder eine Katze pro Tag braucht, gestaffelt nach Lebensphase.
Diese Richtwerte sind der Maßstab hinter der Bezeichnung „Alleinfuttermittel". Sie beziehen sich immer auf die Trockenmasse oder auf eine bestimmte Energiemenge – nicht auf das Futter, wie es in der Dose liegt. Das ist auch der Grund, warum sich Nass- und Trockenfutter nicht direkt vergleichen lassen: Nassfutter besteht zu rund drei Vierteln aus Wasser.
Wann eine Ergänzung sinnvoll ist – und wann nicht
Bekommt dein Tier ein Alleinfutter, ist die Grundversorgung gedeckt. Du musst also nichts dazugeben, damit nichts fehlt – und wahllos Mineralstoffe aufzufüllen bringt ohnehin nichts, weil sie in einem Verhältnis zueinander stehen. Wer einseitig auffüllt, verschiebt es.
Etwas anderes ist es, wenn gerade mehr gebraucht wird als sonst. Dann füllst du keine Lücke im Futter, sondern deckst einen erhöhten Bedarf – und genau dafür sind Ergänzungsfuttermittel gemacht.
Sinnvoll wird eine Ergänzung, wenn der Bedarf wirklich steigt oder der Körper gerade mehr zu tun hat:
- in Trächtigkeit und Säugezeit
- bei Hunden im Sport oder mit hoher Belastung
- im Alter, wenn die Aufnahme nachlässt
- wenn selbst gekocht oder gebarft wird
- in Umbruchphasen: Futterumstellung, Umzug, Reise, Stress
- wenn Verdauung, Haut oder Gelenke gerade Thema sind
- wenn der Tierarzt es empfiehlt
Wie das in der Beratung aussieht
Wenn die Verdauung aus dem Tritt ist. Nach einer Futterumstellung, nach einer Antibiotikagabe oder in stressigen Wochen empfehlen wir häufig REiCO Probio+ – fermentierte Kräuter, Leinsamen, Apfelpektin und Meeresalgen, gedacht als sanfte Unterstützung für Magen und Darm. Es begleitet die Fütterung in dieser Zeit. Halten Durchfall oder Erbrechen an, gehört dein Tier zum Tierarzt, und zwar bevor du etwas dazufütterst.
Wenn Haut und Fell gerade viel leisten. Im Fellwechsel oder wenn das Fell stumpf wirkt, kann REiCO Haut&Fell+ die tägliche Ration ergänzen – mit Algenkalk, Leinkuchen, Bierhefe und Kräutern.
Wenn es um die Grundversorgung geht. REiCO Petmin+ besteht zu hundert Prozent aus Algen und liefert Mineralstoffe und Spurenelemente. Gefüttert werden 0,5 Gramm auf zehn Kilogramm Körpergewicht.
Für alle drei gilt dasselbe: Sie ergänzen die Fütterung und ersetzen keine tierärztliche Behandlung. Und sie gehören in den Napf, wenn es einen Anlass gibt – nicht dauerhaft nebenher. Welcher Anlass das ist und wie lange, schauen wir uns gemeinsam an.
Ein Etikett in drei Schritten lesen
Steht „Alleinfuttermittel" drauf? Dann ist die Bedarfsdeckung zugesagt. Steht „Ergänzungsfuttermittel" drauf, gehört es zu einer Mahlzeit dazu, nicht an deren Stelle.
Schau auf die analytischen Bestandteile. Eiweiß, Fett, Rohfaser, Rohasche, Feuchtigkeit. Willst du zwei Futter vergleichen, rechne erst das Wasser heraus – sonst vergleichst du Suppe mit Kroketten.
Lies die Zusatzstoffliste als das, was sie ist. Sie zeigt, was zugesetzt wurde. Sie ist kein Inhaltsverzeichnis des Nährstoffgehalts, und eine kurze Liste ist kein Mangel.
Kurz zusammengefasst
„Alleinfuttermittel" ist eine rechtlich gebundene Aussage, keine Werbung. Wie lang die Liste auf dem Etikett ausfällt, hängt vor allem davon ab, wie stark das Futter erhitzt wurde und wie viel deshalb ergänzt werden musste – nicht davon, wie gut es versorgt.
Wenn dich bei einem Futter eine bestimmte Angabe stutzig macht: Frag uns. Wir schauen sie uns gemeinsam an und ordnen ein, was dahintersteht.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine Untersuchung, Diagnose oder Behandlung durch Tierarzt oder Arzt.


